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Lübecker Nachrichten vom 02.03.2021:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleingärten so beliebt wie noch nie

Das schöne Wetter lockt die Kleingärtner zurück auf ihre Parzellen – Neue Interessenten stehen schon Schlange, denn in der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Schrebergärten stark angestiegen

Von Sven Wehde

Bad Oldesloe/Bad Segeberg. „Da, das Grüne dort, das ist alles Knoblauch“, sagt Heidrun Badur, die Vorsitzende des Kleingärtnervereins Hohenkamp in Bad Oldesloe, und zeigt in den Garten von Waldemar Johanson. „Die holen da was raus, das sind im Herbst dicke fette Knollen“, schwärmt sie. Johanson, ein großer, ruhiger und freundlicher Mann, lächelt. Er habe die Pflanzen etwas zu früh reingesteckt, aber das komme schon noch in Ordnung, selbst der Frost vor ein paar Wochen konnte seinem Knoblauch nichts anhaben. „Knoblauch und Zwiebeln haben keine Angst vor dem Winter“, erzählt Johanson brummend.

Leben kehrt zurück in
Schleswig-Holsteins Kleingärten

An diesen ersten Sonnentagen des Jahres erblühen nicht nur die ersten Blumen, sondern auch das Leben in den Kleingartenkolonien der Region. Zum Pflanzen ist es zwar in den meisten Fällen noch zu früh, weil es schließlich auch im März noch mal Frost geben kann, aber zu tun haben die Kleingärtner reichlich. Auf den 57 Parzellen der gut 100 Jahre alten Kolonie ist erstmal Frühjahrsputz angesagt. „Jetzt wird aufgeräumt, denn nach dem Winter sind die Gärten mistig. Dann wird der Boden aufgelockert und bald werden auch schon die großen Bohnen reingesetzt“, erklärt Heidrun Badur, die selbst keinen Garten mehr in der Anlage hat. Aber Badur ist schon seit 1985 die erste Vorsitzende und gehört hier einfach dazu.

Corona-Pandemie fördert
Nachfrage nach Gärten

Die Corona-Krise hat auch die Nachfrage nach Kleingärten enorm erhöht. Am Hohenkamp sind alle Parzellen vergeben. „Und ich habe jetzt schon wieder sechs Interessenten auf dem Zettel“, sagt Badur. Leute, die im Kleingarten aber nur ihre Freizeit verbringen und eine Art Ersatz für ein Ferienhaus suchen, versucht sie vorher schon abzuwimmeln. Das habe einfach keinen Sinn. „Wenn die dann merken, dass man hier auch was tun muss, dann hauen sie wieder ab“, sagt Badur und zeigt auf einen Garten mit einem hübschen grünen Häuschen. „Der war mal nur vier Wochen vergeben, dann kam der September, die Sonne war weg und mit ihr die Pächter“, erinnert sich Badur.

Anbau von Obst und Gemüse gesetzlich vorgeschrieben

Marc Maschmann, Vorsitzender des Kleingartenvereins Bad Segeberg, kennt das Problem. „Die Nutzung für Gartenerzeugnisse ist Pflicht. Die Pächter müssen Gemüse und Obst anbauen, das ist ein Bundesgesetz. Kleingärten sind keine reinen Freizeitgärten“, sagt er. Eigentlich muss sogar ein Drittel der Fläche für den Anbau genutzt werden, aber Badur und Maschmann gehen beide „nicht mit dem Zollstock durch die Kolonie“. „Aber nur Trampolin und Hüpfburg geht eben nicht, man muss auch anbauen“, sagt Badur.

Maschmann trifft sich regelmäßig mit seinem Schatzmeister Matthias Mehlkopf und dem zweiten Vorsitzenden Marcus Schultz im Vereinshaus in der Kolonie „Neue Heimat“ in Bad Segeberg. Die drei sind „Hardcore-Gärtner“ und auch im Winter ständig draußen. „Es gibt schließlich immer was zu tun. Man kann aufräumen oder Werkzeug reinigen“, sagt Mehlmann lächelnd. „Aber jetzt, wo die Sonne scheint, sind alle da.“ Der erfahrene Gärtner Mehlkopf, der in seinem Garten gerade mit Hochbeeten experimentiert, warnt jedoch davor, sich von dem Wetter täuschen zu lassen. „Wer jetzt anfängt, Kartoffeln zu setzen, muss mit einem fatalen Ende rechnen. Wenn es noch einen Kälteeinbruch gibt, können die in der Erde verfaulen.“ Genug zu tun gibt es aber an diesen warmen Tagen auch in der „Neuen Heimat“. Mehlkopf: „Wir können erste Samen vorziehen, die Fruchtfolgen planen oder den Bodenzustand prüfen, um zu schauen, wo gedüngt werden muss.“

Kleingarten bedeutet Glück

Oder man genießt einfach mal nur die Sonne, so wie Karin Hansen (79) und ihr Mann Hans-Georg (84), die auf der kleinen Terrasse ihrer Laube Pause machen. In den vergangenen Tagen haben sie Äste geschnitten und Mist als Dünger gestreut. Die Hansens gehören zu den Urgesteinen der Kleingärtner in Bad Segeberg. Seit 1965 haben sie einen Kleingarten, und er ist einer der wichtigsten Orte in ihrem Leben.
Sie waren auch im Winter hier, um die Vögel zu füttern. „Das ist kein Problem, wir haben ja unsere Gasheizung“, sagt Karin Hansen. Sie kochen in ihrer Laube, bauen Kartoffeln, Bohnen, rote Beete, Radieschen, Erdbeeren und vieles mehr an. Ein Kleingarten bedeutet für sie pures Glück. Karin Hansen lächelt: „Wir lieben die Natur und die Blumen. Unsere Enkelkinder sind hier groß geworden und jetzt dürfen wir hier alt werden. Es ist einfach nur schön hier.“



Quellenangabe: Lübecker Nachrichten/Bad Segeberg vom 02.03.2021, Seite 11

 

 

 

02.09.2017 Segeberger Zeitung (vor 50 Jahren)

 SZ.pdf (793 KB)

 

24.04.2017 Lübecker Nachrichten online 

http://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/Mini-Garten-fuer-Segebergs-Suedstadt

 

10.04.2017 Lübecker Nachrichten online 

http://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/Kleingaertner-verabschieden-neue-Satzung